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Heilige Maria Magdalena - in der männlichen Fantasie

Datum:
1. Feb. 2026
Von:
George Reilly

Frauen haben es nicht nur in der realen von Männern dominierten Welt schwer, sie haben es auch schwer in den Welten, die in den Fantasien von Männern entstehen! Als Papst Gregor I (um das Jahr 600) eine Predigt zum Lukasevangelium verfasste, ist ihm der verhängnisvolle Fehler unterlaufen, die namenlose Sünderin, die Jesus die Füße wäscht, mit Maria Magdalena zu identifizieren. Aus der ehrenvollen Frau, die Jesus mit ihrem Geld unterstützte und ihn bis zum Kreuz begleitete, wurde eine reuige Prostituierte. Diese weibliche Gestalt, die ihre Sünden bereut, war viel wirkmächtiger als die Anerkennung der Hl. Maria Magdalena als „die Apostelin der Apostel“.

Die sinnliche Frau, die ein Leben als Sexarbeiterin bereute, hat vor allem in der Malerei die Fantasie der männlichen Künstler jahrhundertelang geprägt. Oft wurde sie mit langen wallenden offenen Haaren am Kreuz, die die Beine des sterbenden Jesu umarmt, dargestellt. Oder nackt in einer Höhle als erotisch reuige Sünderin. In solchen Darstellungen entsteht eine Spannung zwischen dem Nacktem, dem Erotischem und der heiligen dargestellten Person. Gerade durch den damaligen Fehler der Verwechselung gewinnt die Heilige Maria Magdalena an Sinnlichkeit und Menschlichkeit. Diese Spannung kann eine Perspektive auf Sexualität und Erotik als eine Gabe Gottes eröffnen, auch wenn sie der Fantasie von Männern entspringt.

Für die Gemeindeleitung: George Reilly